Die Wachtel
08-07-2010 - Ein Bericht von Prof. Dr. Berthold, Ornithologe und Verhaltensforscher!
„Pickwerwick“ oder „puttpuwutt“ – viele Menschen haben diesen Ruf aus der sommerlichen Feldflur vernommen, tags wie nachts, oft über Hunderte von Metern gut zu hören, aber nur wenige wissen ihn zuzuordnen: den Wachtelschlag. Er stammt von unserem kleinsten Hühnervogel – der nur starengroßen Wachtel, die wie ein kleines Rebhuhn aussieht. Läuft man auf einen dieser Rufer zu, verstummt er und drückt sich heimlich weg, ohne dass man ihn zu Gesicht bekommt. Nur wenn man schnell zum Rufplatz rennt, besteht die Chance, dass eine Wachtel auffliegt und man sie dann abstreichen sieht.
Das aber ist gar nicht nötig, denn Wachteln werden vielerorts gehalten – in Zoos, von Liebhabern und in Wachtelfarmen, wo man die meist wenig scheuen Vögel gut beobachten kann. Im Mittelmeerraum mag es geschehen, dass man eine Wachtel mitten in einem kleinen Städtchen rufen hört: aus einem sogenannten Wachtelhaus, einem der Wachtelkäfige, die – oft schön gestaltet und verziert – früher auch bei uns an Hauswände, Balkone usw. gehängt wurden, um die beliebten Wachtelschläge aus nächster Nähe hören zu können. Schon im Mittelalter wird die Wachtel als Ziervogel genannt, und seit jeher war der schmackhafte Vogel beliebtes Jagdobjekt, was schließlich zur Zucht und Haltung in Wachtelfarmen einschließlich der Produktion der ebenfalls sehr delikaten Eier führte.
Die Lebensweise der in weiten Gebieten Europas und Afrikas verbreiteten Wachtelformen ist hoch interessant, aber erst teilweise gut erforscht. Die bei uns in Getreidefeldern, Kleeschlägen und Wiesen brütenden Vögel überwintern in Afrika und haben dort z. T. schon ein erstes Mal gebrütet, ehe sie bei uns ab April eintreffen. Wachteln sind Nestflüchter. Damit die meist etwa zehn Jungvögel einer Brut der Mutter gemeinsam folgen können, müssen sie trotz der sich über zehn Tage hinziehenden Eiablage synchron schlüpfen, was oft innerhalb etwa einer Stunde geschieht. Erreicht wird das synchrone Schlüpfen durch Brutbeginn, nachdem bereits die meisten Eier gelegt sind sowie durch Verständigung der Jungen im Ei (mit „Klick-Lauten“), wodurch die Entwicklung der spät gelegten Eier beschleunigt wird. Leider nehmen die wunderschönen Wachteln bei uns durch die zunehmend intensiver betriebene Landwirtschaft immer mehr ab – in Mitteleuropa leben derzeit nur noch etwa 250000 Brutpaare, mit ungewisser Zukunft.
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