Der Kuckuck bzw. Gutzgauch
30-04-2010 - Ein Bericht von Prof. Dr. Berthold, Ornithologe und Verhaltensforscher!
„Kuckuck, Kuckuck“ ruft’s aus dem Wald – seit etwa Mitte April ist es wieder so weit. Ob man dabei „es“ oder „er“ sagt, ist belanglos, denn Ruf und Name sind bei diesem Vogel identisch – wie auch bei Uhu oder Zilpzalp – durch Lautmalerei wurde der weithin schallende Ruf zum Namen. Dass das auch für einen zweiten Namen gilt, wissen heutzutage nur wenige: Der „Gutzgauch“ ist stark in Vergessenheit geraten, dabei als Aggressionsruf leicht zu povozieren. Ruft ein Kuckuck in der Nähe, ist er durch Nachahmen (Ruf aus der Kehle, weniger gut durch Pfeifen) leicht herbeizulocken – er vermutet einen Rivalen, den es zu vertreiben gilt. Damit man den recht scheuen Vogel auch wirklich zu sehen bekommt, sollte man sich gut gedeckt in Gebüsch verstecken. Spätestens wenn man von dem intensiv suchenden Vogel mit seinen stechend wirkenden Augen dann doch entdeckt wird, hört man einen wie Fauchen klingenden Ruf, der wie ein Wutausbruch anmutet und sich wie „gutzgauch“ anhört. Alles in allem eine überaus eindrucksvolle Vorführung zum Beispiel bei einer Vogelstimmenexkursion. Streicht der „Gefoppte“ dann pfeilschnell ab, sieht man, wie sehr der rasche Flug und das Flugbild mit dem langen Schwanz an einen Sperber erinnern. Oft wird er dabei von Kleinvögeln verfolgt, die auf ihn „hassen“, also zu vertreiben versuchen.
Leider bleiben heute immer mehr Wälder und Feuchtgebiete ohne Rufe vom Kuckuck – sein Bestand ist in Mitteleuropa seit den 1950er Jahren etwa um die Hälfte zurückgegangen, mit weiterhin fallender Tendenz. Häufig liest man, Schuld daran sei die Klimaerwärmung: Sie ließe Wirtsvögel wie Rotkehlchen und Zaunkönige viel früher brüten, und wenn der immer noch spät heimkehrende Kuckuck einträfe, fände er nicht mehr genügend Ammennester vor. Das klingt zwar plausibel, ist aber dennoch falsch und wird lediglich immer wieder abgeschrieben. Auch Kuckucke kehren inzwischen deutlich früher – um 14 Tage und mehr – in ihre Brutgebiete zurück, und die relativ wenigen Vögel, die es heute noch gibt, finden ausreichend Nester, zumal die wichtigsten Wirtsvögel wie Rotkehlchen, Bachstelzen, Rohrsänger u. a. nach wie vor häufig sind. Was dem Gutzgauch zunehmend den Garaus macht, ist eklatanter Nahrungsmangel. Er braucht ausreichend Großinsekten wie Käfer und Schmetterlingsraupen – und die muss man in unserer ausgeräumten Landschaft zunehmend mit der Lupe suchen. Helfen kann man dem Kuckuck nur durch möglichst viele naturnah belassende oder wieder renaturierte Gebiete.
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