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Der Laubfrosch – fast verschwunden!

10-03-2011 - Ein Bericht von Priv.-Doz. Dr. Martin Kraft, Marburg

Noch in den 60er-Jahren war der Laubfrosch in Mitteleuropa weit verbreitet und häufig. Er kam sowohl in den Ebenen wie auch in höher gelegenen Bereichen vor. Selbst an kleinen Dorfteichen und auf ausgedehnten Truppenübungsplätzen konnte man ihn finden. In den mitteleuropäischen Industrielandschaften haben die Laubfrösche in den letzten Jahrzehnten jedoch sehr stark abgenommen. Meistens haben sie nur noch in so genannten „Sekundärbiotopen“ wie beispielsweise aufgelassenen Kiesgruben oder Baggerseen mit reichlich Uferbewuchs eine Überlebenschance.

Charakteristisch für den Europäischen Laubfrosch, der auch „kleiner Baumfrosch“ genannt wird, dass seine Finger- und Zehenspitzen scheibenförmig verbreitert sind. Seine Farbe ist einheitlich hellgrün bis auf einen dunklen Flankenstreifen, der sich vom Nasenloch bis zur Hüfte zieht und dort eine große Schlinge bildet. Seine Pupille ist waagerecht. Laubfrösche sind mit etwa 3 bis 4,5 cm Länge sehr kleine Froschlurche, die mit ihren Haftscheiben sehr gut klettern können. Manchmal gibt es auch graue, gelbliche, dunkelbraune oder gefleckte Individuen. Die Männchen unterscheiden sich von den Weibchen durch eine braun-gelbliche und etwas faltige Kehlregion und eine große Schallblase im Bereich der Kehle. Bei den Weibchen ist die Kehlregion recht hell und ziemlich glatt.

Das Verbreitungsgebiet des Laubfroschs erstreckt sich vom nördlichen Teil der Iberischen Halbinsel über Frankreich und Mitteleuropa bis nach Osteuropa und die Ukraine. Im Mittelmeerraum kommt er hauptsächlich in Italien und auf dem Balkan vor. Im Winterhalbjahr halten Laubfrösche eine Winterruhe, wobei sie sich geschützt in den Wurzelbereichen von Bäumen und Sträuchern, im Totholz, unter Baumstubben und im Laub von Wäldern, Gärten und Parkanlagen aufhalten. Meistens überwintern sie in der Nähe ihrer Laichgewässer, doch kommen auch manchmal Wanderungen von über 10 km vor. Die Laichgewässer werden im Laufe des Frühjahres zunächst von den Männchen und später von den Weibchen wieder aufgesucht. Dabei bevorzugen Laubfrösche warme und feuchte Standorte mit reichlich Uferbewuchs. Sie kommen sowohl in Seggen, Binsen und Röhrichtbeständen wie auch in kleinen Gebüschgruppen an den Gewässern vor. Ihrer Kletterkünste befähigen sie, auch hoch in Bäume aufzusteigen.

Die Balzzeit beginnt in Mitteleuropa meistens Ende April/Anfang Mai und kann sich bis weit in den Juni oder auch bis Anfang Juli hinziehen. Vor allem an Gewässern, die reichlich Wasserpflanzen aufweisen, kann man das ohrenbetäubende Konzert der männlichen Laubfrösche vor allem in den Monaten Mai und Juni weithin hören. Zumeist rufen die Männchen in der Abenddämmerung bis etwa Mitternacht, manchmal aber auch am Tage. Die Nahrung der Laubfrösche besteht hauptsächlich aus Insekten und Spinnen. Nach der Paarung und der Eiablage entwickeln sich die Larven nur bei Wassertemperaturen über 15 Grad C. Die Metamorphose verläuft bei höheren Wassertemperaturen (ca. 20 Grad C) schneller und dauert manchmal nur 50 Tage, bei kühlerem Wasser dauert es etwa 75 oder 80 Tage. Sowohl die adulten Laubfrösche wie auch die Kaulquappen haben eine Menge Fressfeinde, vor allem Vögel. Die Larven werden aber nicht selten auch von Fischen oder den größeren Kaulquappen der Knoblauchkröten und seltener auch der Wasserfrösche verzehrt. Im Juli und August kann man die kleinen Fröschchen, die nur etwa 1 – 2 cm lang sind, überall an geeigneten Laichgewässern finden.

Durch überhöhten Fischbesatz in einigen Gewässern sowie eine starke Düngemittel- und Pestizidbelastung der Lebensräume sind die Laubfrösche in weiten Teilen Mitteleuropas sehr selten geworden oder fast verschwunden. Da haben wir Menschen eine besondere Verantwortung für die Erhaltung und Förderung der bedrohten Lebensräume. Wir können aber auch schon im eigenen Garten geeignete Teiche mit viel Wasserpflanzen und Ufergehölz anlegen und durch sinnvolle Ansiedlungen zur Weiterverbreitung des interessanten kleinen Frosches beitragen.



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