Flugkünstler an unseren Gewässern – die Wasserfledermaus
07-07-2011 - Ein Bericht von Priv. – Doz. Dr. Martin Kraft, Marburg
Fledermäuse haben noch immer einen kleinen Anstrich von Mystik und Unheimlichkeit, weil man ihnen vieles nachsagt, was gar nicht stimmt. Tatsächlich gibt es unter ihnen Vampire, also echte Blutsauger, aber diese Fledermäuse leben in Südamerika. Unsere Fledermäuse sind wahre Flugakrobaten in Wäldern ebenso wie in der offenen Kulturlandschaft und inmitten von Ortschaften. Strukturreiche Gärten und Parks, deren alte Bäume reichlich Höhlen aufweisen und dazu noch einige Teiche, bilden den Lebensraum der etwa 4 – 5 cm langen Wasserfledermaus Myotis daubentoni.
Wie der Name schon sagt, so jagt die Wasserfledermaus oft über stehenden und fließenden Gewässern. Schon kurz nach Sonnenuntergang kann man manchmal ganze Schwärme über der Wasseroberfläche sehen, wenn sie im geschickten Flug nach Insekten jagen. Im hellen Mondlicht blitzt dabei oft die weiße Unterseite auf, die sich scharf zur bräunlichen Oberseite abgrenzt. Das Verbreitungsgebiet der Wasserfledermaus reicht von West- über Mitteleuropa und Zentralasien bis nach Ostasien. Im Süden Europas ist sie deutlich seltener als in Mitteleuropa. Wie bei vielen Fledermausarten sind genaue Häufigkeitsangaben immer sehr schwer zu machen, da man sie in ihren Sommer- und Winterquartieren leicht übersehen kann. Hinzu kommt, dass lange nicht alle Quartiere bekannt sind.
Die Paarung erfolgt oft schon im Herbst oder im Winterquartier sowie im Frühjahr. Die Wochenstuben der Weibchen befinden sich nicht selten in Höhlen alter Laubbäume, wo sie im Juni nur ein Junges bekommen. Die Jungen sind mit gut 7 Wochen nicht mehr auf die Mutter angewiesen. Oft liegen die Brutquartiere in unmittelbarer Nähe von Gewässern, aber manchmal auch mehrere Kilometer von Gewässern entfernt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fledermausarten kommt es auch bei den Männchen zur Koloniebildung während des Sommers. Dabei nutzen sie die Höhlen alter Laubgehölze ebenso wie Felsspalten und Mauerritzen, kommen nicht selten aber auch unter Brücken vor. Die Winterquartiere befinden sich in Höhlen oder alten Stollen, wo man sie oft einzeln oder in kleinen Gruppen finden kann. Sie überwintern nicht selten in horizontaler Haltung, was für Fledermäuse untypisch ist, da sie meist frei mit dem Kopf nach unten hängen.
Man kann Wasserfledermäuse leicht in den eigenen Garten locken, wenn man einen Teich anlegt, den dort finden sich viele Mücken, Stein-, Eintags- und Köcherfliegen, die gerne von den kleinen Luftakrobaten erbeutet werden. Damit übernimmt die Wasserfledermaus wie ihre Verwandten eine wichtige Funktion bei der Insektenvertilgung. An geeigneten Stellen kann man auch Nistkästen anbringen, die von der Wasserfledermaus oft angenommen werden. Der Fledermauskasten „Midimaus“ von VIVARA ist ideal für Wasser- und Zwergfledermäuse geeignet. Wenn wir also im Hochsommer in unseren Gärten sitzen und aufmerksam beobachten, dann kann es sein, dass uns immer wieder Fledermäuse begegnen, die keine grausamen Vampire sind, die man nur mit Knoblauchknollen, sondern geschickte Flugjäger, die uns helfen, lästige Insekten loszuwerden. Wasserfledermäuse jagen auch oft über unseren Baggerseen, wobei sie bei der Jagd in Gruppen von mehreren hundert Tieren auftreten können. Man kann sie leicht in die Nähe locken, in dem man gelegentlich kleine Steinchen in die Luft wirft, denn diese werden sofort von den Fledermäusen mit ihrem Echolot-System geortet, aber die kleinen Kobolde merken den Irrtum, dass es sich hierbei um nichts Fressbares handelt.
In den letzten Jahren hat die Wissenschaft immer mehr über Fledermäuse herausfinden können, aber es liegt noch vieles im Verborgenen. Wir Menschen sollten unsere Vorurteile und Angst vor Fledermäusen ablegen, denn diese heimlichen und immer noch etwas unheimlichen Mitgeschöpfe verdienen unseren vollen Schutz. Unsere Häuser und Gärten sollten daher auch für Fledermäuse Brut- und Ruhequartiere bieten. Dabei sollten wir immer darauf achten, dass nicht gleich jedes kleine Loch an Schuppen, Hausfassaden oder am Dachboden zugestopft wird. Man kann sich nämlich leicht merken, dass die Natur dort noch in Ordnung ist, wo sich diese kleinen Nachtjäger zeigen!
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