Mein Balkon als Garten für Vögel

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Mein Balkon als Garten für Vögel

In meinem Leben als Ornithologe werde ich regelmäßig gefragt, was man denn im eigenen Garten oder auf Terrasse und Balkon tun kann, um möglichst viele Vögel anzulocken? Das Schöne an Vögeln ist ja, dass sie allerorten zu finden sind und rund ums Jahr beobachtet werden können. Je näher sie sich dabei uns Menschen anschließen, umso vertrauter werden wir mit ihren Gewohnheiten und ihrem Aussehen. Dabei können wir sehr viel lernen und manch eine Überraschung erleben.

Da viele Menschen aber leider gar keinen Garten oder eine Terrasse haben und womöglich noch in einem Hochhaus mit einem kleinen Balkon leben, ist es dennoch möglich, Vögel hautnah zu erleben! Am Geländer des Balkons sollten Kästen angebracht werden, die mit vielen bunten Blumen ausgestattet werden. Dabei ist der Fantasie keine Grenze gesetzt, Hauptsache die Blumen produzieren viel Nektar und locken Insekten an, die wiederum von Vögeln verzehrt werden können. Weiterhin kann man Blumenkübel und verschiedene Gerätschaften aufstellen, die entweder mit Blumen oder mit anderen Gewächsen bestückt werden sollten. In den Ecken des Balkons kann man Rundgitter mit verschiedenen Stufen aufstellen, die für verschiedene Pflanzen aller möglichen Größen geeignet sind. Bei großen Balkonen kann man auch kleine Sträucher aufstellen, wobei man schon darauf achten sollte, dass einheimische Sträucher wie beispielsweise Roter Hartriegel, Faulbaum, Vogelbeere oder Schneeball sehr wichtig sind. Kleine Obstbäumchen sind auch geeignet, um Vögeln Nistmöglichkeiten und Nahrung zu bieten. Um das Ganze noch exotischer oder mediterraner aussehen zu lassen, ist nichts gegen das Aufstellen von kleinen Palmen, Oleander, Oliven-, Zitronen- oder Orangenbäumchen zu sagen. Ich selbst kenne Balkone, die tatsächlich zu wilden „Paradiesgärten“ wurden.

In geschützten Ecken empfiehlt es sich, Nistkästen aufzustellen, wobei allerdings immer darauf zu achten ist, dass diese nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden, denn Nistkästen können sich sehr stark aufheizen, sodass vor allem die frisch geschlüpften Jungvögel regelrecht ausgedörrt werden. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, weil ich in diesem Jahr von 5 jungen Kohlmeisen 3 durch einen zu heiß gewordenen Nistkasten verlor, was mir sicherlich nie wieder passieren wird! Man kann auch mehrere Nistkästen aufstellen oder aufhängen, die auch unterschiedlich groß und mit verschiedenen Einfluglöchern ausgestattet sein können. Dadurch lassen sich auch Grau- und Trauerschnäpper, Garten- und Hausrotschwanz, ja sogar Kleiber anlocken. Blumenampeln, Rankenpflanzen und viele Grünpflanzen machen unseren Balkon noch attraktiver, aber es muss einem bewusst sein, dass diese Pflanzenvielfalt auch sehr viel Arbeit macht. Zudem ist es wichtig, auch Vogeltränken aufzustellen, wobei es auch dabei so viele verschiedene gibt, die man aber allesamt reinigen und mit frischem Wasser versehen sollte. Im Winter, aber auch das ganze Jahr über, kann man Futterhäuschen aufstellen, wobei es immer wichtig ist, auch diese regelmäßig zu reinigen und vielfältiges Futter anzubieten. So kann man sich ein reichhaltiges Vogelleben direkt auf den Balkon holen. In der außergewöhnlich schönen Stadt Vancouver an der Pazifikküste Kanadas konnten wir oft bewundern, dass Menschen sogar die großen Bering- oder Westmöwen auf ihren Balkonen fütterten, denn Vögel lernen sehr rasch, wo es Nahrung und Nistmöglichkeiten gibt. Machen sie also aus Ihrem Balkon einen kleinen „Paradiesgarten“, denn die Vögel werden es Ihnen durch ihr lebhaftes Treiben und ihre schönen Gesänge im Frühjahr danken!

Prof. Dr. Martin Kraft


Weitere Infos zur Vogelfütterung auf dem Balkon finden Sie unter  www.vivara.de/balkon - www.vivara.at/balkon - www.vivara.lu/balkon.

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