Fledermäuse entdecken – Batnight 2016

Ein Bericht von  Prof. Dr. Martin Kraft

Fledermäuse entdecken – Batnight 2016

Schon von Kindesbeinen an haben mich die heimlich lebenden Fledermäuse fasziniert, weil sie wie kleine „Fluggeister“ durch die lauwarmen Nächte in meinem Geburtsort Niederwalgern (Mittelhessen) huschten. Viele verschiedene Arten gab es damals noch, auch die Bechsteinfledermaus, die wir seinerzeit schon in Vogelnistkästen entdeckten. Fledermäuse sind aufgrund ihrer vorwiegend nächtlichen Lebensweise nur schwer zu beobachten und zu entdecken, aber es gibt auch Tage, an denen Große Abendsegler bereits schon um die Mittagszeit auftauchen und ihre spektakulären Nahrungsflüge zeigen. Das beginnt etwa ab Ende Juli/Anfang August und kann an warmen Tagen bis Ende Oktober/Anfang November andauern. Hinzu kommt, dass diese beeindruckende Art manchmal am helllichten Tage in großen Schwärmen auf dem Zug beobachtet werden kann. Dann steigen sie aus Mischwäldern auf und schrauben sich flatternd in die Höhe, um dann plötzlich als großer Schwarm beispielsweise im Herbst nach SSW abzuziehen.

In Deutschland gibt es 25 verschiedene Fledermausarten, von denen die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) mit gut 7 Zentimetern Länge und bis zu 40 cm Flügelspannweite zu den größten europäischen Fledermäusen zählt. Leider ist sie in Deutschland extrem selten geworden, kommt aber in Österreich, in der Schweiz und in Luxemburg noch regelmäßiger vor. Allerdings sind auch noch weitere Arten sehr selten und bedürfen daher eines strengen Schutzes. Umso schlimmer ist die Tatsache, dass die wie Pilze aus dem Boden sprießenden Windkraftanlagen selbst in strukturreiche Wälder gebaut werden. Durch die schnellen Rotoren entstehen Verwirbelungen, die einen Unterdruck erzeugen, der bei den kleinen Säugetieren (aber auch bei Vögeln) zum Platzen der Gefäße und Lungen führen kann, wobei diese Tiere qualvoll an inneren Blutungen sterben müssen. Dieses „Barotrauma“ spielt die Hauptrolle der Opfer an Windrädern, aber es kommen auch Kollisionen vor. Es ist also nicht richtig, dass sich viele Naturschutzverbände für die Nutzung der Windkraft einsetzen, wenn diese auf Kosten der Natur umgesetzt wird. Das ist ein gravierender Widerspruch! Insofern ist es müßig, wenn wir uns auf deutschland- oder gar europaweite Entdeckungsreise begeben, um Fledermäuse zu beobachten, wenn sie im Umfeld von Windrädern massenweise umkommen!

Dennoch ist die am 27. und 28. August 2016 geplante „Batnight“, die Internationale Fledermausnacht des NABUs, eine nunmehr schon zum 20sten Mal durchgeführte Aktion, sehr wichtig, um die Augen für unsere kleinen „Vampire“ zu öffnen, neue Vorkommen zu entdecken und vor allem Kinder und Jugendliche an Fledermäuse und deren Lebensräume heranzuführen. Im vergangenen Jahr haben NABU und LBV mehr als 200 Batnight-Veranstaltungen angeboten. Die Termine zur diesjährigen „Batnight“ sind beim NABU im Internet aufgelistet, sodass es wichtig ist, sich diese zu merken und teilzunehmen, denn man kann viel über diese nächtlichen Kobolde lernen. Es werden Exkursionen zu den Lebensräumen der Fledermäuse durchgeführt, Bat-Detektoren zum Erkennen der Stimmen eingesetzt und viel Wichtiges zum Schutz der Fledermäuse erzählt. Dabei wird einigen Menschen, die in Fledermäusen gefährliche Vampire vermuten, die Angst sicherlich genommen werden. Unsere heimlichen Flugakrobaten sind faszinierend, vielfältig und nützlich, weil sie große Mengen von Insekten vertilgen. Ich selbst genieße es immer, wenn ich in warmen Sommernächten auf dem Balkon oder in einem Biergarten sitze und gleichzeitig Fledermäuse um Baumwipfel oder vor Laternen herumfliegen sehe. Nächtliche Beleuchtungen locken viele Insekten an und sorgen damit auch für ein reichhaltiges Nahrungsangebot innerhalb von Ortschaften.

Alte Stollen, Keller und Höhlen sollten ebenso geschützt und ausgebaut werden wie Dachstühle, Scheunen und Schuppen, denn letztere werden im Sommer von den Fledermäusen als Wochenstuben genutzt, in denen auch die Jungen geboren werden. Der Erhalt alter Höhlenbäume in Wäldern ist ebenfalls sehr wichtig, aber wir müssen vor allem vom massiven Pestizideinsatz in der offenen Kulturlandschaft wegkommen, denn wir brauchen bunte und vielfältige Lebensräume, die nicht nur für Fledermäuse, sondern für alle Organismen wichtig zum Überleben sind!

Prof. Dr. Martin Kraft


Im Vivara Sortiment finden Sie nützliche  Fledermauskästen für verschiedene Fledermausarten.

Diese Website benötigt Cookies, um alle Funktionen korrekt ausführen zu können.

Zu den Datenschutzbestimmungen