Lurch des Jahres 2018 – der Grasfrosch

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Lurch des Jahres 2018 – der Grasfrosch

Die „Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde“ DGHT und ihre AG Feldherpetologie hat in Kooperation mit dem NABU den Grasfrosch Rana temporaria als Lurch des Jahres 2018 ausgewählt.

Wenn ich den Grasfrosch vor mir sehe, muss ich unweigerlich an meine Kindheit in Niederwalgern, 10 km südlich von Marburg im Lahntal Mittelhessens gelegen, denken, denn da kam er noch überall häufig in fast jedem Wassergraben vor. Wir erfreuten uns an ihnen, wenn die ersten Männchen in milden Wintern bereits Anfang/Mitte Februar ihre dunklen und nicht sehr lauten Balzrufe hören ließen. Damals gab es so viele Grasfrösche, dass es ein Leichtes war, sie zu fangen und näher zu betrachten. Leider ist das heute nicht mehr so, denn der Grasfrosch erleidet vielerorts drastische Bestandseinbrüche. In unserem Bereich liegt es daran, dass viele ehemals feuchte Wiesen entwässert wurden und Gräben viel zu oft ausgeräumt werden. Hinzu kommt der vielerorts hohe Pestizideinsatz, der den Grasfröschen die Nahrung nimmt!

Er ist in weiten Teilen Europas bis nach Nordskandinavien und Russland verbreitet, aber lange nicht mehr überall häufig. Von den Ebenen bis in etwa 3.000 m in den Gebirgen kann man Grasfrösche antreffen. Man rechnet ihn zu den Braunfröschen, weil er häufig bräunlich gefärbt ist, manchmal auch mit grünlich-gelbem Stich und nicht selten dunkel gefleckt und an den Hinterbeinen dunkel gestreift. Die Männchen sind oft dunkelbraun, die Weibchen eher rötlich braun. Beiden gemein ist die recht kurze und stumpfe Schnauze sowie der breite dunkle Streifen, der sich übers Trommelfell zieht. Die Unterseite der Männchen ist häufig grau, die der Weibchen rötlich-gelb oder rötlich-braun gefleckt. Kühle und schattige Bereiche werden offenbar bevorzugt, aber sie müssen stets feucht sein und dürfen nicht austrocknen! Manchmal leben Grasfrösche auch in innerstädtischen Gärten und Parkanlagen. Seinen Laich findet man in vielfältigen Gewässern, von der kleinen Pfütze, über Gräben und Verlandungszonen ruhiger Fließgewässer und Teiche bis hin zu den Ufern größerer Seen und Niedermoore. Auch in mit Wasser gefüllten Fahrspuren, in Feuerlöschteichen, Schönungsteichen der Kläranlagen und Schwimmbädern können Grasfrösche ablaichen! Die Hauptnahrung der Grasfrösche bilden Insekten und andere Wirbellose während sich die Larven (Kaulquappen) in den Laichgewässern vorwiegend von Algen ernähren, aber sie sind manchmal auch Kannibalen!

Grasfrösche fallen vielen Beutegreifern zum Opfer, vom Weiß- und Schwarzstorch über Schreiadler, Rot- und Schwarzmilan bis hin zum Uhu, von der Bach- und Regenbogenforelle über die Ringelnatter, die Wanderratte, den Iltis, Dachs und Rotfuchs bis zum Wildschwein. Durch die anhaltende Kälte und viele zugefrorene Gewässer wird es bis mindestens Mitte März dauern, ehe die meisten Grasfrösche abgelaicht haben. Die gallertartigen Laichballen finden sich dann an vielen Stellen, aber man sollte solche Bereiche immer wieder kontrollieren, damit sie nicht austrocknen. Uns ist es mal passiert, dass bis zu 1.000 Laichballen rasch austrockneten, weil wir das Laichgewässer nicht oft genug kontrolliert hatten. Da muss man also immer aufpassen, denn den Grasfröschen wird ohnehin immer mehr Lebensraum genommen. Die Embryonalentwicklung dauert etwa 2 Wochen und die Metamorphose ist oft schon Mitte/Ende Juni abgeschlossen. Die winzigen Frösche kann man von Juni bis Anfang Oktober in der Nähe ihrer Laichgewässer finden, aber man muss bei Exkursionen immer vorsichtig sein, damit nicht zu viele zertreten werden.

Um den Grasfrosch wirksam zu schützen, brauchen wir wieder mehr Feuchtwiesen und flache Laichgewässer, die über feuchte Gräben miteinander verbunden sein sollten. Alle noch vorhandenen Lebensräume sollten streng geschützt sein und neu angelegte Gewässer sollten in sinnvolle Schutzkonzepte eingebunden werden. Im Umfeld der Laichgewässer darf keine intensive Landwirtschaft betrieben werden, denn  biologisch bewirtschaftete Äcker und Wiesen sowie Brachflächen bieten weit mehr Nahrung als mit Pestiziden behandeltes Agrarland. Auch im privaten Umfeld kann man den Grasfrosch, aber auch andere Amphibien, durch die Schaffung kleiner Teiche ansiedeln. Damit werden unsere Gärten wieder vielfältiger!

Prof. Dr. Martin Kraft 


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