Das alljährliche Phänomen – die Krötenwanderung und deren Gefahren

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Das alljährliche Phänomen – die Krötenwanderung und deren Gefahren

Manchmal gibt es bereits Anfang/Mitte Februar die ersten feuchten und recht milden Frühjahrsnächte, die erste Amphibien bewegt, in Richtung ihrer Laichgewässer aufzubrechen. Schon bei Temperaturen knapp über 0 Grad C machen sich Grasfrösche auf den Weg, fast immer auf einen gefährlichen, so die Laichgewässer nur über viel befahrene Straßen zu erreichen sind. Einige Grasfrösche überwintern aber im Schlamm in und am Ufer der Gewässer, andere wandern teilweise in Hecken, Feldgehölze oder auch lichte Wälder. Steigen die nächtlichen Temperaturen noch etwas an, etwa auf 5 bis 8 Grad C, kommt es zu regelrechten Massenwanderungen verschiedener Amphibienarten, wobei Nächte mit leichtem Nieselregen bei den Amphibien besonders beliebt sind.

Unsere Erdkröten, die vorwiegend in Feldgehölzen in der offenen Kulturlandschaft, aber auch an Bahndämmen, Wegrändern oder in Wäldern an geschützten Stellen im Boden überwintern, wandern manchmal mehrere Kilometer weit zu ihren Laichplätzen. Dabei müssen sie nicht selten sogar mehrere Straßen überqueren. Oft sind sie mit den verschiedenen Molcharten, in manchen Waldregionen auch mit dem Feuersalamander vergesellschaftet. Alle Amphibien sind im Frühjahr in Paarungsstimmung, wobei die Männchen oft sehr unachtsam ihren Trieben in Richtung Weibchen folgen. So kommt es regelmäßig vor, dass die größeren Erdkrötenweibchen schon vor Erreichen der Laichgewässer und dem Ablegen ihrer Laichschnüre ein Männchen auf dem Rücken transportieren müssen.

Der Wandertrieb ist angeboren und alle Amphibien sind so standorttreu, dass ihre Laichgewässer über Jahre hinweg aufgesucht werden. Beim Grasfrosch genügen da schon Wassergräben oder kleine Lachen auf feuchten Wiesen, während Erdkröten und Molche vor allem in Tümpeln, Teichen, aber auch in größeren Baggerseen mit flachen Uferzonen erfolgreich ablaichen. Dieser enorme Wander- und Fortpflanzungstrieb birgt in unserer dicht besiedelten Landschaft alljährlich große Gefahren, denn es werden Tausende und Abertausende von Autos, LKW, Bussen, Traktoren oder auch von Zügen überfahren. Da viele Amphibien im Bestand stark abnehmen und sehr bedroht sind, können diese enormen Verluste oft nicht kompensiert werden. Wir Menschen stehen dann in der Pflicht, diese Bestandsrückgänge zu stoppen und den gefährdeten Amphbien durch entsprechende Schutzmaßnahmen zu helfen.

Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten: Amphibientunnel und andere Durchlässe an viel befahrenen Straßen und dazu möglichst viele Grünbrücken an geeigneten Stellen, aber vor allem Krötenzäune, die von vielen freiwilligen Helfern an Straßenrändern aufgebaut und kontrolliert werden. Diese Zäune sollten den gesamten Straßenbereich abdecken, der von den Amphibien genutzt wird. Im Boden eingegrabene Eimer, welche die Amphibien auffangen, wenn sich diese am Zaun entlang bewegen, müssen aber regelmäßig frühmorgens und abends, manchmal auch nachts kontrolliert werden. Dabei hat man grundsätzlich die Möglichkeit, die verschiednen Arten und Geschlechter festzustellen, aber auch deren Anzahl. An den Martinsweihern bei Niederwalgern haben eifrige Naturschützer schon über 1.500 Erdkröten und fast 9.000 Teichmolche in einer Frühjahrssaison vor dem Überfahren retten können. Eine weitere Maßnahme kann die nächtliche Sperrung von Land- oder Kreisstraßen sein. Will man indes weitere Amphibiengewässer anlegen, so sollten Ländereien am besten aufgekauft und wieder vernässt werden, nach Möglichkeit nicht in Straßennähe. Entsprechende Schutzschilder an Straßen weisen zwar auf die Krötenwanderungen hin, aber viele Autofahrer kümmern sich nicht darum, fahren entweder viel zu schnell oder gar bewusst auf die armen Tiere los. Eine solche nachgerade abscheuliche Tat konnte ich mal an der K 59 zwischen Roth und Niederwalgern in Mittelhessen beobachten, als ein Rennwagenfahrer ganz gezielt auf wandernde Erdkröten losfuhr! Leider ging das damals so schnell, dass ich mir das Kennzeichen nicht merken konnte.

Unsere Amphibien sind sehr interessante Geschöpfe, die uns schon von Kindesbeinen an begleiten, aber heutzutage sind sie sehr stark gefährdet, weshalb wir immer alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen sollten, um den dramatischen Bestandsrückgang zu stoppen. Sie sind harmlose Frühlingsboten, die uns unmissverständlich zeigen, dass der Lenz im Anmarsch ist!

Prof. Dr. Martin Kraft 


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