Rostrote Mauerbiene - Insekt des Jahres 2019

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Rostrote Mauerbiene - Insekt des Jahres 2019

Trotz meiner Vorliebe für Vögel, Säugetiere, Reptilien und Amphibien, haben mich Insekten schon immer besonders fasziniert! Unsere leider vielerorts stark abnehmenden Bienenbestände geben uns allen aber mächtig zu denken! Dabei gehören unsere Honigbienen zu den beliebtesten und bekanntesten Insekten überhaupt. In der Familie der Bienen (Apidae) gibt es aber auch noch einige sehr interessante Unterfamilien mit teilweise hoch spezialisierten Arten unterschiedlicher Gattungen, die bei Naturschützern zunehmend an Bedeutung gewinnen! So werden inzwischen überall so genannte „Insektenhotels“ aufgebaut, weil man dort wunderschöne und vielfach völlig unbekannte Beobachtungen machen kann. In den feinen Bambusröhrchen oder mit kleinen Löchern versehenen Lehmsteinen siedeln sich gerne Solitärbienen der unterschiedlichsten Arten an.

Mit der „Rostroten Mauerbiene“ Osmia bicornis wurde nun zum zweiten Mal in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Wildbiene zum „Insekt des Jahres“ gekürt! Die Gattung Mauerbienen (Osmia) umfasst etwa 40 Arten. Sie sind von untersetzter Gestalt und meistens pelzig behaart. In Mitteleuropa ist diese Gattung sehr stark vertreten. Insgesamt gibt es sogar etwa 700 Wildbienenarten in Mitteleuropa. Wie unsere Honigbienen, so tragen auch die Wildbienen in hohem Maße zur Blütenbestäubung bei, und diese ist für unsere Nahrungsmittelproduktion eminent wichtig! Die Rostrote Mauerbiene wird etwa 8 bis 14 mm lang und besiedelt sowohl trockene Mauern wie auch Lehmwände, Totholz und andere Strukturen. Besonders beliebt sind aber auch die schon genannten Insektenhotels. An den Martinsweihern bei Niederwalgern (Mittelhessen) befinden sich ein großes und zwei kleine Insektenhotels, in denen es nur so von Rostroten und anderen Mauerbienenarten wimmelt. 2018 war ein sehr gutes Jahr nicht nur für Mauerbienen, sondern auch für andere Insekten. In diesem Jahr sind die Rostroten Mauerbienen aber auch wieder sehr zahlreich vertreten. Es sind liebenswerte und friedfertige Geschöpfe, denen ich an warmen und sonnigen Tagen sehr gerne zuschaue! Es ist ein einziges Gesumme und Gewimmel mit emsigem Treiben! Irgendwie erinnern sie mich wegen ihres dichten Pelzes an kleine Hummeln, und manchmal setzen sie sich frühmorgens auf meine Hände, um sich aufzuwärmen. In solchen Momenten muss ich immer daran denken, dass diese wundersamen und für uns Menschen überaus wichtigen Insekten immer mehr in Bedrängnis geraten, wenn wir es nicht endlich schaffen, dass Glyphosat nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt verboten wird!

Die Rostrote Mauerbiene bildet eine Generation pro Jahr. An warmen Tagen können die ersten Männchen bereits im März aus ihren verschlossenen Röhren schlüpfen, die sie mit ihren sehr kräftigen Mundwerkzeugen aufnagen! Etwas später fliegen dann auch die Weibchen aus und es kommt zu Paarungen. Das geschieht an warmen und sonnigen Tagen im Frühling oft in der Nähe ihrer vorjährigen, aber auch neuer Brutstätten! Dann kommt es eben zu diesem überaus emsigen Schwirren im Bereich der Brutröhrchen. In die mit Pollen gefüllten Niströhrchen legen die Weibchen ihre Eier ab und verschließen den Eingang der Bruthöhlen mit Mörtel. Die schlüpfenden Larven ernähren sich von den Blütenpollen und entwickeln sich etwa im Laufe des Monats August (manchmal auch schon im Juli) zu fertigen Bienen, die in ihren Röhrchen bis zum nächsten Frühling verharren, bis der Lebenszyklus erneut beginnt. Die Rostrote Mauerbiene hat absolut keine Scheu vor dem Menschen und ist deshalb auch in Ortschaften häufig anzutreffen. An uns ist es also gelegen, uns für den Schutz von Hohlwegen, Kies- und Sandgruben mit ihren Steilwänden sowie weiteren Lebensräumen einzusetzen. Wichtig ist es zudem, in unseren Gärten an sonnigen Stellen Insektenhotels zu postieren und Blumenwiesen anzulegen. Das kann jeder machen und damit einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Naturschutz leisten. Beim Aufstellen von Insektenhotels sollten wir diese mit engmaschigem Draht vor Kohlmeisen und andern Vogelarten schützen, die manchmal verschlossene Röhrchen aufhacken und sich über die Larven hermachen. Beim Aufhängen mit Löchern versehener Holzstücke braucht man diesen Schutz aber nicht!

Wenn wir das Bienensterben und den vielerorts zu beobachtenden Insektenschwund verhindern wollen, müssen wir umdenken und uns noch viel mehr als bisher für Blumenwiesen und strukturreiche Gärten, Parks und die gesamte pestizidfreie Kulturlandschaft einsetzen.
Zudem brauchen wir wesentlich mehr Naturschutzgebiete, auch im Wald! Diese Lebensräume müssen von Menschen unbesiedelt und von Windkraftanlagen frei sein, denn sonst nutzt unser Engagement gar nichts!

Prof. Dr. Martin Kraft 


 

Vivara Insektenhotels