Rauch- und Mehlschwalben werden immer seltener! Wie kann ich diesen Glücksbringern helfen?

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Rauch- und Mehlschwalben werden immer seltener! Wie kann ich diesen Glücksbringern helfen?

Schwalben gehören zu den Vögeln, die wir mit Frühling und Sommer verbinden, weil sie direkt in unserem menschlichen Umfeld brüten. Leider haben die Brutpopulationen vielerorts stark abgenommen, was vielerlei Gründe hat. In anderen Bereichen geht es unseren Schwalben aber noch recht gut!

In diesem Artikel geht es um die Rauch- und Mehlschwalben, die sich äußerlich gut unterscheiden lassen. Rauchschwalben sind größer und haben vor allem bei den Männchen sehr lange Schwanzspieße sowie eine einfarbig blau schillernde Oberseite, eine rostrote Stirn und eine ebenso gefärbte Kehle mit schwarzer Umrandung. Wird der typische Schwalbenschwanz gefächert, so entdecken wir helle Flecken im Zentrum der Federn, die vor allem im Flug auffallen. Die Unterseite der Rauchschwalben ist bei Weibchen und vielen jungen Männchen weiß, bei adulten Männchen oft schmutzigweiß bis rostfarben. Die etwas kleineren Mehlschwalben hingegen haben eine weiße Kehle, einen weißen Bürzel, eine rein weiße Unterseite, weiß befiederte Zehen und einen weit weniger tief gegabelten Schwanz. Auch ihre Oberseite ist schwarz mit blauem Glanz.

Rauchschwalben brüten vor allem in Ställen und Scheunen, aber auch in Feldhütten, Garagen und in manchen Fluren, aber manchmal auch hinter Balustraden und an Außenwänden. Mehlschwalben sind typische Hausbrüter, die im Gegensatz zur Rauchschwalbe geschlossene Nester mit etwas ovalem Einflugloch bauen, während Rauchschwalben in offenen Napfnestern brüten. Als hauptsächliches Nistmaterial brauchen beide Arten Schlamm, den sie mit Speichel und Halmen vermischen, sodass eine feste Masse entsteht. Das Innere wird mit weiteren Halmen und Federn ausgekleidet. Federn fangen sie oft im Flug, während sie zum Aufsammeln des Schlamms Pfützen oder schlickige Gewässerufer aufsuchen müssen. Da viele Feldwege inzwischen asphaltiert sind, finden sich immer weniger Pfützen und damit die Möglichkeit, Nester zu bauen.Hinzu kommt die leider vielerorts intensiv betriebene Landwirtschaft mit hohem Pestizideinsatz. Dadurch wird den Schwalben ihre Nahrungsgrundlage entzogen, denn sie sind Luftjäger und erbeuten große Mengen Insekten und in der Luft treibende Spinnen. Die in den letzten Jahren deutlich spürbare Abnahme der Insekten führt in der Folge auch zur Reduzierung der Schwalbenbestände.

Nicht selten werden alte Scheunen und Häuser abgerissen und neue gebaut, in oder an denen aber keine Schwalben brüten dürfen, weil sie „Dreck“ machen. Selbstverständlich müssen auch Schwalben koten und dieser fällt zu Boden, wenn man ihn nicht mittels kleiner Brettchen, die man unterhalb der Nester anbringt, auffangen kann. Wenn die Außenwände eine bestimmte Konsistenz haben, die es ermöglicht, Nester anzukleben, scheuen Mehlschwalben auch neue Häuser nicht. Die Sauberkeitsmanie vieler Menschen sorgt aber dafür, dass dies nicht geschieht. So werden verbotenerweise Wimpel oder Banderolen unter den Dachvorsprüngen angebracht, die Mehlschwalben vom Nestbau abhalten. Alte Ställe werden renoviert und modernisiert, dass für Rauchschwalben kein Platz mehr ist. Es ist aber unsere Pflicht, dass wir vom Ordnungs- und Sauberkeitswahn Abschied nehmen und den Schwalben helfen. So können wir an Hauswänden nicht nur unter den Naturnestern Kotbrettchen anbringen, sondern auch Kunstnester aufhängen, die oft genutzt werden. Für die Rauchschwalben sollte man in Ställen und Scheunen immer Fenster haben, die den Einflug ermöglichen. Zudem können wir an günstigen und frei anzufliegenden Plätzen „Schwalbenhäuser“ aufstellen, die vor allem von Mehlschwalben gerne zum Brüten genutzt werden.

In unseren Gärten und an Wegen sollten wir schlammige Bereiche anlegen, um den Schwalben Nistmaterial anzubieten. Wichtig ist auch die völlige Abkehr vom Spritzmitteleinsatz hin zu wieder mehr Naturgärten und biologisch bewirtschafteten Ackerflächen und Wiesen. Manche Bohnenfelder der Biobauern werden bei uns im Marburger Lahntal von hunderten Rauch- und Mehlschwalben angeflogen, weil es dort nur so wimmelt von Insekten. Schwalben gelten im Volksmund wie Kraniche als Glücksbringer, was sie doch eigentlich beliebt machen sollte! Um Ihren Abwärtstrend zu stoppen, müssen wir Ihnen helfen, denn sie gehören in unsere Ortschaften mit ihrem lebhaften Treiben und den angenehmen Zwitschergesängen. Verzichten Sie daher auf monotone Gärten und sterile Scheunen, Ställe und Hauswände! Lassen Sie wieder mehr Natur zu, dann sind auch Schwalben echte Glücksbringer!

Prof. Dr. Martin Kraft


 

Nisthilfen für Schwalben

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