Bemerkungen zum „Pfannenstielchen“, der Schwanzmeise

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft, Marburg 

Kaum ein heimischer Vogel hat so viele volkstümliche Namen wie die Schwanzmeise Aegithalos caudatus, wobei der Name „Pfannenstielchen“ einer der schönsten und treffendsten ist. Von etwa durchschnittlich 14 cm Länge, entfallen bis zu 9 cm auf den gestuften dunklen Schwanz, der auffallend weiße äußere Federn zeigt. Die Schwanzmeise bewohnt in zahlreichen Unterarten ganz Europa, kommt aber auch in Asien bis Kamtschatka und Japan vor. Bei uns lebt die Unterart „europaeus“, die auch als streifenköpfige Form bezeichnet wird, weil der weiße Kopf durch dunkle Scheitelseitenstreifen begrenzt wird.

Bis auf die braunrosa gefärbten Schultern sind Rücken und Bürzel schwarz. Die helle Brust und der Bauch sind rosa überhaucht. Die in Nordeuropa vorkommende Unterart „caudatus“ hat einen rein weißen Kopf und Nacken, der sich scharf gegen den schwarzen Vorderrücken abgrenzt. Manchmal gibt es auch Mischbruten zwischen den streifen- und weißköpfigen Formen. Die Nordische Schwanzmeise kommt in manchen Wintern bei uns invasionsartig vor, in anderen Wintern fehlt sie völlig. Unsere Schwanzmeisen sind das ganze Jahr über anzutreffen, zumeist in Familienverbänden, im Winter aber auch in größeren Schwärmen.

Ihr kunstvoll gebautes Kugelnest mit seitlichem Eingang wird vor allem mit Flechten, Haaren, Gras und Moos gebaut, aber nicht selten finden sich auch Alu-Stückchen dazwischen. Innen wird das Nest mit einer großen Zahl kleiner Federn ausgepolstert, welche die Wärme sehr gut speichern können. Das Nest steht in dichten Büschen, aber oft auch in Koniferen in unterschiedlicher Höhe. In der Regel brüten Schwanzmeisen nur einmal im Jahr, aber in nahrungsreichen, warmen Jahren kommt es auch zu Zweitbruten. Nicht selten haben Schwanzmeisen 10 bis 12 Junge, die schon aus der Ferne durch ihre hohen „si-si-si“- und tieferen „tscherr“-Rufe auffallen. Dabei bewegen sie sich fliegend und hüpfend von Busch zu Busch. Im direkten Vergleich zu den Echten Meisen sind sie noch graziler und leichter, wobei sie nur 7 bis knapp 10 Gramm auf die Waage bringen, aber auch ihre Beine und vor allem der Schwanz sind bedeutend länger. Sie sind in der Lage, auch kleine und dünne Äste nach Nahrung (Insekten, Spinnen) abzusuchen, wobei sie äußerst geschickte Turner sind. Ihre langen Beine kommen ihnen beim Halt zugute, während der lange Schwanz geschickt zur Balance eingesetzt wird. Schwanzmeisen findet man vor allem in Wäldern, Auwäldern, in Feldgehölzen, Hecken, auf Streuobstwiesen und Friedhöfen sowie in Parkanlagen.

Vor uns Menschen zeigen sie überhaupt keine Scheu, sodass man sie auch in unseren Gärten, vor allem im Winter, regelmäßig und häufig beobachten kann. Gerne hängen sie dann an Meisenknödeln und anderem Fettfutter, wobei sie manchmal in großen Gruppen erscheinen. Wegen ihres niedlichen Aussehens sind sie auch bei Vogel-Beringern sehr beliebt! In der Regel sind sie sehr standorttreu und wandern außerhalb der Brutzeit nur wenige Kilometer umher, doch gibt es auch Jahre, in denen sie größere Wanderungen unternehmen. Zumeist ziehen sie von Busch zu Busch oder Baum zu Baum (Schleichzug), denn größere Freiflächen werden offenbar nur ungern überflogen. Dies geschieht gelegentlich mit schräg aufwärts gehaltener Körperachse und leicht schwirrendem Flug über mehrere hundert Meter, bevor der Trupp dann wieder plötzlich in einem Gebüsch oder auf einem Baum einfällt. Dadurch sind die agilen Vögelchen immer wieder vor eventuellen Feinden geschützt. 

Schwanzmeisen profitieren nicht nur von Winterfütterungen, sondern auch von Ganzjahres-Fütterungen und man sollte ihnen immer auch Wasserschalen zum Baden und Trinken anbieten. Es lohnt sich, denn diese flinken und hastigen „Pfannenstielchen“ geben uns die Möglichkeit, sie auch im eigenen Garten hautnah zu beobachten. Manche Individuen lernen es sogar, Futter von der Hand aufzunehmen, was immer ein besonderes Erlebnis ist!

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