Eichhörnchen im Herbst und Winter helfen - wie und warum?

Von Prof. Dr. Martin Kraft

MIO – Marburger Institut für Ornithologie und Ökologie

Eichhörnchen sind Winterruher, was heißt, dass sie keinen Winterschlaf halten. Sie sind in milden Phasen immer wieder aktiv und suchen ihre Vorratsverstecke auf, wo sie Nüsse, Eicheln und Bucheckern verbuddelt haben. Diese natürliche Nahrung steht aber nicht in jedem Jahr gleichermaßen zur Verfügung. In sehr trockenen Jahren gibt es oft weniger Nüsse, aber auch wenn Mastjahre von Bucheckern und Eicheln fehlen, haben es die quirligen Nager schwerer, ausreichend Futter für den Winter zu finden.

Wichtig ist vor allem, wenn wir unsere Gärten viel natürlicher gestalten und von Einheitsrasen und Atlaszedern absehen, dafür aber Blumenwiesen und Benjes-Hecken anlegen und viel Wildsträucher pflanzen. Haselnusssträucher und Walnussbäume wären somit eine große Bereicherung eines natürlichen Bauerngartens. Je vielfältiger dieser mit einheimischen Gehölzen ausgestattet ist und sich dazwischen Blumenwiesen finden, desto mehr Tiere siedeln sich an.

Wie ja bekannt ist, bin ich ein großer Verfechter ganzjähriger Vogelfütterungen, denn davon können beispielsweise auch Eichhörnchen profitieren. Fettfutter- und Körnermischungen sind immer günstig für die verschiedenen Vogelarten und eben auch für Eichhörnchen. Ich gebe aber vor allem im Herbst auch Hasel-, Wal- und Erdnüsse zu, und ich habe nicht nur eine, sondern mehrere Futterstellen, damit sich nicht zu viele Tiere an einem Futterplatz drängeln müssen. Eichhörnchen und Vögel kommen in der Regel sehr gut miteinander klar, doch müssen wir wissen, dass sie auch eifrige Nesträuber sind, weshalb wir Nistkästen immer so aufhängen sollten, dass sie oder auch Waschbären nicht herankommen können.

Im Herbst und Winter lohnt es sich, auch Äpfel oder anderes Obst und auch Gemüseteile auszustreuen, die ebenfalls von Vögeln und Eichhörnchen als Nahrungsquelle genutzt werden können. Die Futtermengen sollten wir in nahrungsarmen Jahren merklich erhöhen, um die Lücken zu schließen. Wenn wir aber regelmäßig füttern, sollten auch genügend Wasserschalen aufgestellt oder kleine Teiche angelegt werden. Zu beachten ist aber immer, dass wir sowohl unsere Futterhäuschen als auch die Wasserschalen regelmäßig säubern, damit sich keine schädlichen Keime ausbreiten können.

Wir haben es also selbst in der Hand, einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und zum Artenschutz durch natürliche Gartengestaltung und sinnvolles Füttern zu leisten. Es ist ein voller Genuss, wenn man die vielen Organismen nebeneinander hautnah erleben und studieren kann, denn es gibt immer wieder nette Überraschungen. Helfen Sie also dem Eichhörnchen, wenn Sie merken, dass Nahrungsknappheit herrscht, denn grundsätzlich profitieren auch viele andere Arten von unserer Unterstützung.

Eichhörnchen